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Nun habe ich mich endlich getraut und meinen ersten kleinen Blog geschrieben.

Am Wochenende haben mein Mann und ich den Dokumentationsfilm „Embrace“ von Taryn Brumfitt geschaut. Morgen kommt der Film auch in die deutschen Kinos. Jede Frau (und eigentlich auch Männer) sollten sich diese Doku anschauen. Ich habe die ganzen 90 Minuten nur geweint, aber jetzt fühle ich mich viel besser und habe angefangen meine Ansichten zu hinterfragen. Ich finde es sehr traurig und erschreckend wie viele Frauen ihren Körper zu hassen scheinen. Auf die Frage „Was magst du an deinem Körper nicht?“ fällt vielen, genau wie mir, jede Menge ein. Umgekehrt, bei der Frage “Was findest du an deinem Körper schön?“ wird es schwieriger Körperstellen zu benennen.

Warum müssen sich Frauen für ihren Körper schämen? Warum ist es so schlimm etwas mehr auf den Rippen zu haben und warum muss man nach der Geburt seines Babys mit der Hose, die man vor der Schwangerschaft getragen hat aus dem Krankenhaus laufen? Muss man seinen Körper nach einer Schwangerschaft und Geburt ins Fitnessstudio quälen anstatt sich im Wochenbett zu erholen? Mir ist das alles nach diesem Film so richtig bewusst geworden. Ich habe beschlossen, dass ich auf Instagram kein Foto mehr liken werde, auf dem eine frisch gebacken Mama im Sportoutfit oder in ihrer alten Hosen abgebildet ist. Ich bin bestimmt nicht neidisch, aber ich finde dieser ganze Hype muss aufhören.

Ich war als Kind und Jugendliche stark übergewichtig und habe dann mit 15 Jahren angefangen abzunehmen. Mit sehr viel Sport und einer Ernährungsumstellung wurde ich belohnt, fast 40 Kg waren es dann weniger. Ab dieser Zeit hat sich mein Leben aber nur noch um Essen, Kalorien und Sport gedreht. Genießen konnte ich es leider nicht mehr. Egal ob ich bei Freunden oder meiner Familie war, meine Gedanke drehten sich immer um die Kalorien. „Es ist jetzt schon viel zu spät, um etwas zu essen“, „ich muss erst noch Sport machen“ und und und. Eigentlich war das kein schönes Leben mehr. Ich fühlte mich wie gefangen. Dann wurde ich schwanger und ENDLICH habe ich diese Gedanken hinter mir gelassen und habe gegessen, auf was ich gerade Lust hatte. Schwubbdiwupp hatte ich am Ende der Schwangerschaft stolze 21 Kilo mehr auf den Rippen.

Die Geburt meiner ersten Tochter war ein großes Trauma, das mit einem Dammriss 4. Grades endete (wer nicht genau weiß was das bedeutet, kann es hier nachlesen). Dadurch war schon ein normaler, langsamer Spaziergang die reinste Qual und Sport konnte ich ohne Schmerzen überhaupt nicht mehr machen. Stillen wollte, vielleicht auch wegen der ganzen Schmerzmittel, die ich nehmen musste, auch nicht funktionieren. Ans Abnehmen war erst mal nicht mehr zu denken. Irgendwann habe ich dann angefangen wieder Sport zumachen, aber diese lästigen Themen des Essens und des Abnehmens wurde richtig zu einem Problem.

2013 hatte ich meine erste Fehlgeburt. Diät, der unbedingte Wunsch abzunehmen und die Fehlgeburt führten zu einer Depression, die mit psychologischer Behandlung endete. Die Schuld der Fehlgeburt suchte ich bei mir, da ich dachte ich bin viel zu fett zum Kinderkriegen. Heute weiß ich, dass das Gewicht nicht der Grund für eine Fehlgeburt ist und es ganz viele Ursachen geben kann. Im Nachhinein, finde ich es furchtbar, dass eine Frau so etwas denkt.

Nach der 2. Fehlgeburt 2014 ging es mir dann psychisch noch schlechter und ich habe mir noch mehr Druck gemacht. Natürlich ist Druck kontraproduktiv, aber ich konnte damit anders nicht umgehen. Danach hatte ich dann eine kurze Phase, in der es mit dem Abnehmen besser funktionierte. Mir ging es von Monat zu Monat besser. Ich habe mich wieder langsam etwas wohler gefühlt.

2015 wurde ich erneut schwanger, hatte ein super positives Gefühl und mir geschworen bei dieser Schwangerschaft keine 20 Kilo + zulegen. Ich bin viel spazieren gegangen und war im Fitnessstudio (natürlich nur auf dem Laufband und keine schweren Geräte). Unser Baby wollte aber wieder nicht bei uns bleiben. Erneut habe ich mir selbst die Schuld gegeben, da ich zu viel gelaufen bin.

Ich habe wieder eine neue Therapie angefangen und durch meine Psychologin habe ich viel über mich selbst gelernt, konnte immer mehr von meinen negativen Gedanken los lassen und wurde dann 2016 Mama meiner zweiten Tochter Nilah. Die Geburt war ein geplanter Kaiserschnitt (wegen meiner ersten Geburtsverletzung) was natürlich für die Rückbildung und den Sport auch nicht so Ideal war ABER für dieses Wunder bin ich so unendlich Dankbar, dass ich keine Zeit und Energie für negatives verschwenden möchte.

Was ich sagen will ist, dass ich mir die letzten 15 Jahre durch meine blöden Gedanken vermiest habe. Ich bereue es sehr. Es sollte sich niemand derart quälen müssen. Ich möchte mir keine Gedanken mehr machen müssen, ob ich mit meinen Kindern ins Schwimmbad gehen soll oder nicht. Ich möchte meinen Freunden nicht absagen müssen, wenn sie mit mir etwas essen gehen wollen. Ich möchte nicht in meinem Lieblingscafé neben der Kuchentheke sitzen und den leckeren Kuchen anstarren müssen, mir aber kein Stück davon gönnen können, um danach frustriert nach Hause zu gehen. Ich möchte, dass meine Kinder stolz auf sich sind und ihren Körper so annehmen wie er ist, dass sie lernen was gesunde Ernährung ist aber gleichzeitig den Spass am Naschen nicht verlieren, dass sie Hobbies haben – nicht weil sie müssen, sondern weil sie es wollen. Mir ist Bewegung sehr wichtig und ich bin der Meinung, dass sich jeder so viel er kann, bewegen sollte. Ich werde weiterhin sportlich aktiv sein, aber ohne Druck und ohne negative Einstellung über meinen eigenen Körper auf den ich super stolz sein sollte.

Ihr lieben Frauen da draußen, macht euch bitte keinen Druck, versucht Zeit für euch zu finden, denn als Mama bleib dies oft auf der Strecke. Bewegung und Sport gehören dazu und tun gut. Bitte achtet auf gesunde Ernährung und bringt diese auch euren Kindern bei. Genießt euer Leben, denn Ihr habt nur eins UND schaut euch unbedingt „Embrace“ an! Es lohnt sich!

-Eure Natalie